Dieser Artikel wurde ursprünglich im August 2019 auf Englisch im WSP-Magazin The Possible veröffentlicht.
„In einer Stadt kann eine von Bäumen gesäumte Allee zwar schön aussehen, aber in Bezug auf die lokale Luftverschmutzung mehr schaden als nützen“, sagt John Gallagher, Assistenzprofessor für Umweltsysteme am Trinity College Dublin, bewusst provokativ und erklärt weiter: „Natürlich sind Bäume in Städten äusserst wertvoll. Sie spenden Schatten, mildern Hitzeinseln, fördern die Biodiversität, verbessern die psychische Gesundheit und sehen schön aus. Und ja, sie können auch als Luftfilter nützlich sein – vorausgesetzt, sie werden sorgfältig gepflanzt und gepflegt.“
Gallagher betrachtet Bäume als physische Strukturen und analysiert ihren Einfluss auf die Ausbreitung von Schadstoffen. „Wenn grosse Bäume mit dichter Krone nah nebeneinander in einer Strasse stehen und so einen Canyon-Effekt erzeugen, kann die Krone wie ein Dach wirken. Sie kann Fahrzeugemissionen auf Strassenhöhe einfangen und den natürlichen Luftstrom blockieren, sodass Schadstoffe nicht entweichen können“.
Mit der richtigen Herangehensweise können die Ergebnisse jedoch sehr positiv sein. „Neuere Studien zeigen, dass hohe, schmale Baumkronen eine gute Belüftung ermöglichen. Entlang von Strassen sind niedrige Hecken oft besser geeignet“, erklärt Gallagher. „Sie fangen Partikel ab, reduzieren die Belastung für Passanten auf dem Gehweg und können die lokalen Partikelkonzentrationen um mindestens 14 % senken.“ Pflanzen wirken dabei wie Deflektoren: Sie lenken verschmutzte Luft von Menschen ab oder verlangsamen die Strömung, sodass sich Partikel absetzen. Schadstoffe lagern sich auch auf grossen Flächen wie Blättern ab, und Pflanzen nehmen kleine Mengen Stickstoffdioxid (NO₂) über ihre Spaltöffnungen auf – wenn auch mit begrenzter Wirkung.
Damit diese Vorteile optimal genutzt werden, ist die Wahl der Baumart und des Standorts entscheidend. „Eine dichte Hecke kann etwa einen Rebound-Effekt erzeugen, indem sie die Schadstoffe auf der Strasse einsperrt und deren Ausbreitung verhindert, was für Velofahrende nachteilig sein kann”.
Neben Pflanzen untersucht Gallagher auch die Wirkung von Mauern und geparkten Autos. „Mauern und Autos können durchaus wirksam sein, indem sie eine physische Barriere zwischen Verkehr und Passanten bilden. Autos schaffen zusätzlichen Abstand, wenn auch die Zwischenräume eine gewisse Ausbreitung von Schadstoffen zulassen.
Gallagher erinnert daran, dass bei allen Massnahmen zur Beeinflussung des Luftstroms die örtlichen Bedingungen entscheidend sind – etwa Windrichtung, Gebäudehöhen und das konkrete Ziel der Intervention. Möchten Sie eher eine Dämpfung oder eine Barriere einsetzen? Geht es Ihnen darum, die Ausbreitung von Partikeln zu verhindern oder zu fördern?
Gallagher ist Teil eines internationalen Teams von Wissenschaftler*innen, das den passiven Effekt von Bäumen und anderen städtischen Objekten – wie Ladenmarkisen oder Cafébarrieren – auf die Verteilung und Ablagerung von Luftschadstoffen untersucht. Da Stadtplaner nicht jede Situation im Detail analysieren können, entwickeln wir eine zentrale Plattform, die aufzeigt, welche Dämpfungen oder Barrieren – sei es mit Vegetation oder anderen Mitteln – die Luftverschmutzung wirksam reduzieren. Das Zusammenstellen belastbarer Daten dauert seine Zeit, doch Gallagher lädt Planer dazu ein, sich in der Zwischenzeit mit seinem Team in Verbindung zu setzen. In diesem Jahr organisiert das Team zudem eine Webinar-Reihe zur passiven Reduktion von Luftverschmutzung: tcd.ie/civileng/air-pollution-webinar-series.