Dieser Artikel wurde ursprünglich im August 2019 auf Englisch im WSP-Magazin The Possible veröffentlicht.
Im Januar kündigte Porsche an, dass der vollelektrische Taycan teilweise aus Aluminiumplatten mit Titandioxid-Beschichtung (TiO₂) gefertigt wird. Unter Sonneneinstrahlung reagiert diese Beschichtung mit der Luftfeuchtigkeit und „bindet“ Stickstoffoxide (NOx), die dann durch einen Prozess namens Photokatalyse in Wasser und Nitrate umgewandelt werden. Laut Porsche entsprechen die 126 m² TiO₂-beschichteter Platten pro Fahrzeug in ihrer Wirkung der Leistung von zehn Bäumen, um NOx aus der Luft zu entfernen.
Diese Technologie wurde erstmals 2007 eingesetzt, als der italienische Betonhersteller Italcementi TiO₂-Zusätze nutzte, um selbstreinigenden Beton herzustellen. Auch hier sorgte die Photokatalyse dafür, dass Schmutz auf der Betonoberfläche abgebaut wurde – und dabei entdeckte man, dass zugleich NOx aus der Luft entfernt wird.
Wie effektiv diese TiO₂-basierte Technologien jedoch tatsächlich bei der Reinigung der Luft sind, ist bislang jedoch noch unklar. Einige Fachleute befürchten, dass ohne spezielle Ableitung die verbleibenden Nitrate in Gewässer gelangen und das Wachstum von Algen fördern könnten. Zudem werden bei der Herstellung der TiO₂-Zusatzstoffe giftige Chemikalien freigesetzt. Die Technologie ist darüber hinaus kostspielig, insbesondere bei Beton, da nur die Oberfläche des Materials Schadstoffe wie NOx oder Schmutz abbauen kann.
Unterdessen hat das deutsche Unternehmen Green City Solutions die CityTrees entwickelt – vertikale, begrünte Wände, die städtische Luft reinigen. Die halbportablen Wände bedecken eine Fläche von rund 4 m² und sind dicht mit verschiedenen Moosarten bepflanzt, die jeweils für ihre Fähigkeit bekannt sind, Partikel und NOx zu absorbieren. Ein integriertes System versorgt das Moos mit Wasser und Nährstoffen, da es in belasteter Luft sonst nur schwer gedeihen könnte. Während die Luft durch die CityTrees strömt, werden die Schadstoffe vom Moos eingefangen, von Mikroorganismen zersetzt und schliesslich vom Moos aufgenommen. Solarbetriebene Ventilatoren ermöglichen es, den Luftdurchfluss gezielt zu steuern, zum Beispiel während der Stosszeiten.
Ein CityTree kostet rund 25’000 US-Dollar. Auch wenn ein einzelner Baum die Luftverschmutzung einer ganzen Stadt nur begrenzt beeinflussen kann, ist er strategisch wertvoll an stark belasteten Standorten, an denen keine echten Bäume gepflanzt werden können. Bereits heute verschönern und reinigen CityTrees das Stadtbild in Städten wie Berlin, Peking, Dresden, Paris und London.