Können Sie uns einen Überblick über die Quartierentwicklung Baar Süd und ihre Hauptziele geben?
Im Gebiet «Baar Süd» entsteht auf der Parzelle Unterfeld Süd ein gemischtes Quartier mit gesamthaft rund 400 Wohnungen und zirka 1 000 Arbeitsplätzen direkt an der Stadtbahnhaltestelle «Lindenpark». Das Gesamtkonzept wurde gemeinsam mit der Gemeinde von und für die Baarer Bevölkerung entwickelt. Implenia verantwortet die Entwicklung von vier Gebäuden der ersten beiden Etappen im Auftrag der Investoren der einzelnen Baufelder. Mit Realisierung der dritten Etappe durch eine Erbengemeinschaft wird das Areal dereinst vervollständigt werden.
Etwa ein Viertel der Wohnungen wird als preisgünstiger Wohnraum zur Miete realisiert. Die übrigen Miet- und Eigentumswohnungen haben unterschiedliche Grössen und Preiskategorien. Das Angebot deckt somit die breite Nachfrage nach diversen Wohnsegmenten in Baar bestens ab, wobei der Baarer Bevölkerung bei der Vergabe der Wohnungen Vorrang gewährt wird. Auf den rund 29 '000 m2 Gewerbefläche wird es beispielsweise Raum für attraktive Büroflächen geben, und die Erdgeschosse der Gebäude ergänzen das Angebot mit publikumsorientierten Nutzungen wie einem Quartierladen oder Gastronomie und tragen so zu einem lebendigen Quartierleben bei.
Drei bauliche Höhenakzente ermöglichen eine Verdichtung des Quartiers und gewährleisten so den haushälterischen Umgang mit Bauland. Dadurch entstehen hohe Anforderungen an den Freiraum, welchen wir durch differenziert gestaltete, naturnahe Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität nachkommen.
Welche spezifischen Elemente des Projektes befassen sich mit dem Konzept der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft?
Die Gebäude werden gemäss den Kriterien des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) geplant, was eine umfassende Betrachtung der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft) sicherstellt. Schon aufgrund der Lage von Baar Süd im Siedlungsgebiet bietet das Quartier beste Voraussetzungen, da es hervorragend erschlossen ist. So wird die Parkplatzanzahl beispielsweise ca. 25 % unter der Berechnung des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute liegen.
Im Bereich «Umwelt» ist für beide Etappen geplant, dass substanzielle Gebäudeteile in Holzbauweise erstellt werden, was graue Energie einspart. Ein ausgeklügeltes Regenwassermanagement nutzt das anfallende Wasser, um die Umgebung passiv zu kühlen und reduziert gleichzeitig die Einleitungsmengen in die Kanalisation.
Auf gesellschaftlicher Ebene setzen wir schon früh auf das Instrument des Partizipationsverfahrens und erhalten so regelmässig Rückmeldungen zum Projektstand aus der Bevölkerung, was einen Abgleich mit aktuellen Bedürfnissen sicherstellt. So wurden zu Projektbeginn die städtebaulichen Grundstrukturen gemeinsam mit Vertretern der Bevölkerung von Baar und mit Experten unter der Führung der Gemeinde Baar festgelegt. Zudem organisieren wir regelmässig «Ateliergespräche», in denen wir den Austausch mit Interessierten zu bestimmten Themengebieten suchen.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen achten wir auf eine regionale Wertschöpfung und eine umfassende Lebenszyklusbetrachtung.
Können Sie uns etwas über die Rolle von WSP in diesem Projekt erzählen?
WSP ist lokaler Partner des Planungsteams in den Bereichen Tragwerksplanung, Gebäudetechnik, Brandschutz, Bauphysik und Nachhaltigkeit. Wir schätzen die breiten Planungskompetenzen, die WSP unter einem Dach vereint, was in der täglichen Zusammenarbeit viele Schnittstellen vereinfacht. Insbesondere im Hinblick auf die schwierigen Baugrundverhältnisse vor Ort zählen wir auf die Erfahrungen der Ingenieure von WSP aus anderen Bauvorhaben in der Umgebung.
Werden im Rahmen dieses Projekts innovative Technologien eingesetzt (z. B. BIM)? Wird WSP Sie dabei unterstützen und welchen Mehrwert bietet diese Technologie?
Seit der Auslobung des ersten Projektwettbewerbs für Baar Süd setzt Implenia auf digitale Planung. So wurde beispielsweise ein digitales 3D-Modell der Gebäude anstelle eines Gipsmodells abgegeben, welches alle relevanten Kennwerte beinhaltete und so die Auswertung vereinfachte. Seit Planungsbeginn wird konsequent mittels BIM geplant und die Projektbeteiligten bei WSP tragen massgeblich dazu bei, dass die Planungskoordination unter den verschiedenen Fachplanern gut funktioniert.